Ein entzündeter oder gereizter Nerv in der Schulter fühlt sich meist anders an als ein Sehnen- oder Gelenkschmerz: brennend, stechend oder elektrisierend, oft einschießend, und er zieht häufig entlang des Arms bis in Unterarm, Hand oder Finger. Dazu kommen typischerweise Kribbeln, ein pelziges Taubheitsgefühl oder Kraftverlust. Hinter dem Wort „entzündet“ steckt dabei selten eine echte Entzündung des Nervs – häufiger wird ein Nerv an der Halswirbelsäule gedrückt und gereizt, und der Schmerz wird in der Schulter gespürt. Bei plötzlicher Lähmung, Taubheit oder Kraftlosigkeit im Arm rufen Sie sofort die 112.

  • Typisch für Nervenschmerz: brennend, elektrisierend, einschießend, mit Ausstrahlung in den Arm und Kribbeln oder Taubheit.
  • Typisch für Sehne, Schleimbeutel oder Gelenk: dumpf, bewegungsabhängig, meist auf Schulter und Oberarm begrenzt.
  • Häufigste Herkunft: Nervenwurzel an der Halswirbelsäule, nicht das Schultergelenk.
  • Echte Nervenentzündungen wie die neuralgische Schulteramyotrophie oder eine Gürtelrose sind seltener, aber wichtig zu erkennen.
  • Sofort abklären: plötzliche Lähmung, rasch zunehmende Schwäche, Brustenge, Bläschenausschlag.
  • In München: außerhalb der Sprechzeiten 116117, bei Notfällen 112 oder eine Zentrale Notaufnahme.

Woran erkenne ich, dass der Schmerz vom Nerv kommt?

Nervenschmerz zeigt sich an seinem Charakter und an seinen Begleitzeichen, weniger an seiner Stärke. Betroffene beschreiben ihn als brennend, stechend oder wie einen Stromschlag. Er schießt oft ein, statt sich langsam aufzubauen, und er bleibt nicht an einer Stelle, sondern zieht entlang einer Bahn – vom Nacken über die Schulter in den Arm, manchmal bis in bestimmte Finger.

Ein Nerv leitet nicht nur Schmerz, sondern auch Gefühl und Muskelkraft. Wird er gereizt, verändert sich deshalb oft mehr als nur der Schmerz:

  • Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ im Arm, in der Hand oder in den Fingern,
  • Taubheitsgefühl, als läge ein Stück Watte auf der Haut,
  • Kraftverlust, etwa beim Anheben des Arms, beim Greifen oder beim Halten einer Tasse,
  • Missempfindungen bei Berührung, etwa wenn Kleidung auf der Haut unangenehm brennt.

Bei einem gereizten Nerv aus der Halswirbelsäule folgt der Schmerz einem festen Hautareal, dem sogenannten Dermatom – dem Hautgebiet, das eine einzelne Nervenwurzel versorgt. Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur zervikalen Radikulopathie, also zur Reizung einer Nervenwurzel an der Halswirbelsäule (Stand 2017, Gültigkeit abgelaufen), beschrieb genau das: Sensibilitätsstörungen und Schmerzen breiten sich im Dermatom der betroffenen Nervenwurzel aus.

Die folgende Tabelle hilft bei der Einordnung. Eine Diagnose ersetzt sie nicht, denn Mischformen sind häufig – eine Sehnenreizung und ein gereizter Nerv können gleichzeitig bestehen.

MerkmalEher NervEher Sehne, Schleimbeutel, Gelenk
Schmerzcharakterbrennend, elektrisierend, einschießenddumpf, ziehend, bohrend
Ausstrahlungentlang des Arms, oft bis Hand oder FingerSchulter und seitlicher Oberarm, selten unterhalb des Ellenbogens
BegleitzeichenKribbeln, Taubheit, KraftverlustBewegungseinschränkung, Schmerz bei bestimmten Bewegungen
AuslöserKopfdrehen, Kopfneigen, Husten, bestimmte HaltungenArm seitlich anheben, Überkopfarbeit, Liegen auf der Schulter
Verlaufkann plötzlich einsetzen, auch ohne Belastungbaut sich oft über Tage oder Wochen auf

In der Sprechstunde erleben wir, dass viele Betroffene den Schmerz zunächst der Schulter zuschreiben, weil er dort am stärksten ist. Ob der Nacken beteiligt ist, klärt die Untersuchung von Schulter und Halswirbelsäule gemeinsam.

Ist ein „entzündeter“ Nerv wirklich entzündet?

Meist nicht. Umgangssprachlich heißt jeder Nervenschmerz schnell „Nervenentzündung“. Medizinisch stecken dahinter drei verschiedene Vorgänge, die sich in Ursache, Dringlichkeit und Behandlung unterscheiden:

VorgangWas passiertBeispiel
Druck und ReizungEin Nerv wird mechanisch eingeengt, etwa durch eine Bandscheibe oder knöcherne AnbautenNervenwurzelreizung an der Halswirbelsäule
Entzündung des NervengeflechtsDas Armnervengeflecht (Plexus brachialis) entzündet sich, vermutlich über eine ImmunreaktionNeuralgische Schulteramyotrophie
Virusbedingte NervenentzündungEin ruhendes Virus wird in einer Nervenwurzel wieder aktivGürtelrose (Herpes zoster)

Welcher Vorgang vorliegt, lässt sich nur durch Untersuchung klären. Der Unterschied ist aber wichtig, weil zum Beispiel eine Gürtelrose früh behandelt werden sollte und eine rasch zunehmende Lähmung andere Schritte erfordert als ein gereizter Nerv bei einer Nackenverspannung.

Ist das dringend oder kann ich auf einen Termin warten?

Nervenschmerzen ohne Lähmung, ohne Unfall und ohne Allgemeinsymptome lassen sich in einer regulären Sprechstunde abklären. Dringend wird es, wenn die Kraft nachlässt, wenn Zeichen außerhalb des Arms dazukommen oder wenn die Beschwerden auf eine Erkrankung des Herzens oder des Rückenmarks hindeuten.

Wann sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme?

  • Plötzliche Lähmung, Taubheit oder Kraftlosigkeit in Arm oder Hand, vor allem mit hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen: sofort 112 rufen.
  • Druck oder Enge in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß mit Schmerzen, die in Arm, Schulter oder Kiefer ziehen: sofort 112.
  • Schwäche im Arm, die innerhalb von Stunden oder Tagen deutlich zunimmt: noch am selben Tag ärztlich vorstellen, außerhalb der Sprechzeiten über 116117 oder in der Notaufnahme.
  • Unsicherer, steifer Gang, Ungeschicklichkeit beider Hände oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang zusammen mit Nacken- und Armbeschwerden: noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
  • Brennende Schmerzen auf einer Körperseite, gefolgt von einem Ausschlag mit Bläschen: zeitnah ärztlich vorstellen, da die Behandlung früh beginnen sollte.
  • Taubheit oder Schwäche im Arm nach einem Sturz oder einer ausgerenkten Schulter: Notaufnahme.

Die Kriterien für schnelle ärztliche Hilfe bei Nacken- und Armbeschwerden nennt das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums zu Nackenschmerzen – darunter Lähmungserscheinungen, Schwierigkeiten, Arm oder Finger zu bewegen, und Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Die Leitlinie zur zervikalen Radikulopathie sah bei rasch fortschreitenden Lähmungen das operative Vorgehen als ersten Schritt vor. Für Sie heißt das: Zunehmende Schwäche ist kein Grund, abzuwarten.

Wohin in München am Abend, in der Nacht oder am Wochenende?

Ohne Lebensgefahr ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 der richtige Weg. Dort erfahren Sie, welche Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns gerade geöffnet ist und welche am nächsten liegt. Ein gereizter Nerv, der nachts stark schmerzt, aber keine Lähmung und keine Warnzeichen zeigt, ist dort richtig aufgehoben.

Bei Warnzeichen wie plötzlicher Lähmung, Verdacht auf Schlaganfall oder Herzbeschwerden rufen Sie die 112. Nach einem Unfall mit Taubheit oder Schwäche im Arm ist eine Notaufnahme zuständig. Das TUM Klinikum rechts der Isar an der Ismaninger Straße 22 hält seine Notaufnahme für chirurgische und internistische Notfälle rund um die Uhr besetzt; sie ist über die U-Bahn-Linien U4 und U5 sowie mehrere Tramlinien erreichbar. Wer in Au-Haidhausen wohnt, hat damit eine universitäre Notaufnahme mit Unfallchirurgie in der Nähe.

Das LMU Klinikum unterhält zwei Zentrale Notaufnahmen: am Campus Innenstadt in der Ziemssenstraße 5 nahe dem Sendlinger Tor und am Campus Großhadern in der Marchioninistraße 15. Aus der Altstadt und aus Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt ist der Campus Innenstadt der kurze Weg, für den Südwesten rund um Hadern der Campus Großhadern.

Was Betroffene häufig fragen: Darf ich mit Nervenschmerzen, die seit Wochen bestehen, in die Notaufnahme? Die Notaufnahme ist für Notfälle da. Beschwerden, die sich über Wochen ohne Warnzeichen entwickelt haben, gehören in eine reguläre Sprechstunde.

Woher kommt der Nervenschmerz in der Schulter?

Die häufigste Quelle liegt außerhalb der Schulter, in der Halswirbelsäule. Daneben gibt es Ursachen im Nervengeflecht, am Nerv selbst an der Schulter und virale Entzündungen. Die wichtigsten im Überblick:

Nervenwurzel an der Halswirbelsäule (zervikale Radikulopathie). Eine Bandscheibe oder knöcherne Anbauten an den Wirbeln drücken auf eine Nervenwurzel. Laut gesund.bund.de strahlen solche radikulären Schmerzen entlang von Nervenbahnen aus, etwa bis in einen Arm, und können Reflexe und Muskelkraft beeinträchtigen oder zu Kribbeln führen. Die Leitlinie nannte die Nervenwurzeln C6 und C7 als am häufigsten betroffen.

Entzündung des Armnervengeflechts (neuralgische Schulteramyotrophie). Diese Erkrankung, auch Parsonage-Turner-Syndrom genannt, ist selten, aber typisch im Verlauf. Das Gesundheitsportal des Bundes beschreibt die neuralgische Amyotrophie mit reißenden, starken Schmerzen im Schultergelenk, die plötzlich abends oder nachts einsetzen, Tage bis Wochen anhalten und später in Nacken, Arm und Hände ziehen. Danach können einzelne Muskeln erschlaffen, sich zurückbilden oder Lähmungserscheinungen zeigen.

Gürtelrose (Herpes zoster). Hier wird ein Virus, das nach Windpocken im Körper verbleibt, in einer Nervenwurzel wieder aktiv. Nach gesund.bund.de zur Gürtelrose beginnen die Beschwerden oft mit Brennen, Juckreiz oder Schmerzen, einige Tage bevor sich der Bläschenausschlag zeigt, und treten meist nur auf einer Körperseite auf. In den Tagen vor dem Ausschlag wird der Schmerz leicht für eine Schulter- oder Nackenreizung gehalten.

Engstelle an der Schulter selbst. Seltener wird ein Nerv direkt an der Schulter eingeengt, etwa der Nervus suprascapularis, der über das Schulterblatt zu zwei Muskeln der Rotatorenmanschette zieht – der Sehnenkappe, die den Oberarmkopf umschließt. Hier stehen eher ein tiefer Schmerz an der Rückseite der Schulter und Kraftverlust beim Anheben oder Auswärtsdrehen des Arms im Vordergrund als Kribbeln in den Fingern. Solche Engstellen fallen in das Fachgebiet der Schulterchirurgie.

Nervenverletzung nach Unfall. Nach einer ausgerenkten Schulter oder einem Bruch nahe dem Schultergelenk kann ein Nerv mitverletzt sein. Ein taubes Hautareal an der Außenseite des Oberarms oder Schwäche beim seitlichen Anheben gehören dann in die ärztliche Untersuchung, bevor eine Physiotherapie beginnt. Mehr zur Erstversorgung lesen Sie im Beitrag zur Schulterluxation und ihrer Behandlung.

Engstelle zwischen Hals und Brustkorb (Thoracic-Outlet-Syndrom). Nerven und Gefäße auf dem Weg zum Arm können zwischen Schlüsselbein, erster Rippe und Halsmuskulatur eingeengt sein. Die Abklärung erfolgt in der Regel fachübergreifend.

Was kann ich bis zum Arzttermin selbst tun?

Bis zur Untersuchung geht es darum, den Nerv nicht weiter zu reizen und die Beschwerden gut zu beobachten. Eine Behandlung ersetzt das nicht.

  • In Bewegung bleiben, ohne zu provozieren. Vollständige Ruhigstellung des Arms ist in der Regel nicht nötig. Meiden Sie aber Haltungen, die den Schmerz einschießen lassen, etwa langes Kopfneigen über dem Smartphone oder Überkopfarbeit.
  • Wärme kann entspannen. Bei Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur empfinden viele Betroffene Wärme als angenehm. Für die neuralgische Amyotrophie nennt gesund.bund.de Wärmeanwendungen als lindernd.
  • Schmerzmittel nur nach Rücksprache. Welches Mittel geeignet ist, hängt von Ursache, Vorerkrankungen und anderen Medikamenten ab.
  • Notizen machen. Seit wann, wohin der Schmerz zieht, welche Finger kribbeln, ob die Kraft nachlässt, ob ein Ausschlag oder Fieber dazukam. Diese Angaben helfen bei der Abklärung.
  • Kraft selbst beobachten. Fällt das Halten einer Tasse, das Zuknöpfen oder das Anheben des Arms von Tag zu Tag schwerer, ist das ein Grund, den Termin vorzuziehen.

Methoden wie Kinesio-Taping oder Elektrotherapie werden häufig angeboten. Für die neuralgische Amyotrophie nennt gesund.bund.de für physikalische Verfahren wie Ultraschall, Elektrotherapie oder Akupunktur bislang keinen Wirksamkeitsnachweis.

Welcher Arzt ist zuständig – Orthopäde oder Neurologe?

Beide können der richtige erste Schritt sein, und oft arbeiten sie zusammen. Steht der Schulterschmerz im Vordergrund und ist unklar, ob er von Sehne, Gelenk oder Nerv kommt, ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie die passende Anlaufstelle. Er untersucht Schulter und Halswirbelsäule und grenzt ab, ob der Schmerz aus dem Gelenk stammt.

Stehen Kribbeln, Taubheit oder Lähmungen im Vordergrund, kommt die Neurologie hinzu. Die Messung von Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie) und Muskelaktivität (Elektromyographie, EMG) wird in der Regel in neurologischen Praxen oder Kliniken durchgeführt. Bei Verdacht auf Gürtelrose zählt vor allem, dass die Behandlung früh beginnt – der Hausarzt ist dafür eine naheliegende Anlaufstelle.

Was im Vordergrund stehtErste Anlaufstelle
Schulterschmerz, unklar ob Gelenk, Sehne oder NervFacharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Kribbeln, Taubheit, Schwäche, Ausstrahlung bis in die FingerOrthopädie oder Neurologie, Nervenmessung in der Neurologie
Brennen auf einer Körperseite, BläschenausschlagHausarzt, zeitnah
Unklare Ursache, Fieber, Gewichtsverlust, mehrere BeschwerdenHausarzt
Kraftverlust nach Unfall oder ausgerenkter SchulterNotaufnahme oder Unfallchirurgie

Als gesetzlich Versicherter können Sie nach § 76 SGB V unter den zugelassenen Ärzten frei wählen und brauchen für den Facharztbesuch grundsätzlich keine Überweisung, sofern Ihr Krankenkassentarif nichts anderes vorsieht. Wenn Sie sich in München über die Terminservicestelle 116117 einen Termin vermitteln lassen möchten, ist eine Überweisung nötig. Nach § 75 Abs. 1a SGB V muss die Terminservicestelle dann innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, und die Wartezeit darf vier Wochen nicht überschreiten – eine bestimmte Wunschpraxis können Sie dabei nicht verlangen.

Unsere Praxis liegt im Asam Ärztehaus an der Sendlinger Straße 37 in der Altstadt, zwischen Marienplatz und Sendlinger Tor. Erfordert die Abklärung eine Nervenmessung, wird sie in der Neurologie durchgeführt.

Was passiert bei der Untersuchung?

Am Anfang stehen Gespräch und körperliche Untersuchung, Geräte kommen erst danach. Die Leitlinie zur zervikalen Radikulopathie hielt fest, dass die Diagnose auf der Vorgeschichte und der neurologischen Untersuchung beruht.

Untersucht werden in der Regel:

  • Schulter: Beweglichkeit, Kraft der Rotatorenmanschette, Schmerz bei bestimmten Testbewegungen,
  • Halswirbelsäule: Beweglichkeit und ob Kopfbewegungen den Armschmerz auslösen,
  • Nervenfunktion: Gefühl in den Hautarealen, Reflexe, Kraft einzelner Muskelgruppen,
  • Muskulatur: sichtbarer Muskelschwund, etwa über dem Schulterblatt.

Bildgebung folgt nur, wenn sie die Entscheidung verändert. Ein MRT der Halswirbelsäule empfahl die Leitlinie bei klinisch gestellter Diagnose dann, wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben. Bei Verdacht auf eine Ursache an der Schulter kommen Ultraschall, Röntgen oder ein MRT der Schulter infrage. Die Messung der Muskelaktivität (EMG) sah die Leitlinie frühestens zehn Tage nach Beschwerdebeginn vor.

Viele Patientinnen und Patienten kommen mit der Sorge, ohne MRT nicht ernst genommen zu werden. Ob ein MRT nötig ist, zeigt erst die Untersuchung – mehr dazu im Beitrag MRT bei Schulterschmerzen vor dem Spezialistenbesuch.

Wie wird ein gereizter oder entzündeter Nerv behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem Schmerz allein. Bei den meisten Nervenreizungen steht eine Behandlung ohne Operation am Anfang.

UrsacheBehandlungswegWann operiert wird
Nervenwurzelreizung an der HalswirbelsäuleSchmerztherapie, Physiotherapie; Injektionen an die Nervenwurzel erst, wenn diese Maßnahmen nicht ausreichenBei rasch zunehmenden Lähmungen oder wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht – Eingriff an der Wirbelsäule, nicht an der Schulter
Neuralgische SchulteramyotrophieSchmerz- und entzündungshemmende Medikamente, PhysiotherapieIn der Regel nicht
GürtelroseAntivirale Behandlung, SchmerztherapieNicht
Engstelle an der SchulterEntlastung, PhysiotherapieWenn die Einengung bestehen bleibt – Entscheidung nach Befund
Nervenverletzung nach UnfallVerlaufskontrolle, PhysiotherapieWenn sich die Funktion nicht erholt – Zeitpunkt nach Befund

Bei der Gürtelrose ist der Zeitpunkt entscheidend: gesund.bund.de nennt einen Behandlungsbeginn innerhalb von 72 Stunden als wichtig für die Wirksamkeit. Bei der neuralgischen Amyotrophie werden laut gesund.bund.de vor allem die Symptome behandelt, unter anderem mit Kortikosteroiden.

Wird der Schmerz durch eine Nervenwurzel an der Halswirbelsäule verursacht, ist bei einer Operation die Wirbelsäulenchirurgie zuständig, nicht die Schulterchirurgie. Umgekehrt gilt: Liegen Nervenreizung und Schulterbefund gleichzeitig vor, muss geklärt werden, welcher Befund die Beschwerden trägt, bevor operiert wird. Einen Überblick über die Behandlung von Schulterbeschwerden finden Sie auf der Seite zu Schulterschmerzen und ihrer Behandlung.

Wie lange dauert es, bis ein entzündeter Nerv abheilt?

Das hängt von der Ursache ab und lässt sich für den Einzelfall nicht vorhersagen.

  • Nervenwurzelreizung an der Halswirbelsäule: Die Leitlinie beschrieb den Verlauf als häufig langwierig und individuell sehr unterschiedlich, aber grundsätzlich günstig.
  • Neuralgische Schulteramyotrophie: Laut gesund.bund.de klingen die Beschwerden bei den meisten Betroffenen innerhalb von etwa ein bis drei Jahren ab; die stärksten Schmerzen treten meist in den ersten Tagen bis Wochen auf.
  • Gürtelrose: Bestehen die Nervenschmerzen nach dem Abheilen länger als drei Monate, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie.

Eine zunehmende Schwäche ist deshalb ein Grund für eine frühe Abklärung, nicht für Abwarten.

Wer zahlt Untersuchung und Nervenmessung?

Wer zahlt, hängt vom Versicherungsstatus und vom Anlass ab. Bei gesetzlich Versicherten trägt die Krankenkasse die medizinisch notwendige Abklärung bei Praxen mit Kassenzulassung, auch die Nervenmessung bei entsprechender Indikation. Privatversicherte und Selbstzahler werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet; die Höhe hängt von Ziffer und Steigerungsfaktor ab, die Erstattung von Ihrem Tarif. Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig; die DGUV beschreibt, wann der Durchgangsarzt einzuschalten ist. Wie sich die Kosten einer Schulteruntersuchung zusammensetzen, erklärt unser Beitrag zu den Kosten einer Schulteruntersuchung in München.

Schulterschmerz und Nervenschmerz aus der Halswirbelsäule lassen sich von außen oft nicht auseinanderhalten – ein vermeintlich eingeklemmter Nerv kann eine Schultererkrankung sein und umgekehrt. Als Unfallchirurg mit Schwerpunkt Schulter achte ich darauf, Gelenk, Sehnen und Nervenfunktion in derselben Untersuchung zu prüfen, weil sich die Beschwerden überlagern können. Erst wenn klar ist, woher der Schmerz kommt, besprechen wir die Behandlung und beziehen bei Bedarf die Neurologie oder die Wirbelsäulenchirurgie ein.

Prof. Dr. med. Chlodwig Kirchhoff, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Häufige Fragen

Wie fühlt sich ein eingeklemmter Nerv in der Schulter an?

Meist brennend, stechend oder elektrisierend, oft mit Ausstrahlung in den Arm bis in Hand oder Finger. Dazu kommen häufig Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust. Der Nerv ist dabei meist nicht an der Schulter, sondern an der Halswirbelsäule eingeengt, und Kopfbewegungen können den Schmerz auslösen.

Kann ein entzündeter Nerv in der Schulter von selbst heilen?

Viele Nervenreizungen bessern sich ohne Operation, der Verlauf ist aber oft langwierig und von der Ursache abhängig. Eine Gürtelrose sollte früh behandelt werden, und eine zunehmende Schwäche im Arm gehört ärztlich abgeklärt, statt abzuwarten.

Wie lange dauert eine Nervenentzündung in der Schulter?

Das hängt von der Ursache ab. Eine Nervenwurzelreizung an der Halswirbelsäule verläuft häufig langwierig, aber grundsätzlich günstig. Bei der neuralgischen Schulteramyotrophie klingen die Beschwerden laut gesund.bund.de bei den meisten Betroffenen innerhalb von etwa ein bis drei Jahren ab. Eine Vorhersage für den Einzelfall ist nicht möglich.

Kann eine Nervenentzündung in der Schulter durch Zugluft entstehen?

Die bekannten Ursachen echter Nervenentzündungen sind andere: Bei der neuralgischen Schulteramyotrophie wird eine Immunreaktion vermutet, bei der Gürtelrose ein wieder aktives Virus. Brennende Schmerzen auf einer Körperseite mit späterem Ausschlag sprechen dagegen für eine Gürtelrose und gehören ärztlich behandelt.

Welcher Arzt in München behandelt Nervenschmerzen in der Schulter?

Steht der Schulterschmerz im Vordergrund, ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie die passende erste Anlaufstelle; er grenzt Gelenk, Sehne und Halswirbelsäule ab. Bei Kribbeln, Taubheit oder Lähmungen kommt die Neurologie mit der Nervenmessung hinzu. Termine vermittelt mit Überweisung auch die Terminservicestelle unter 116117.

Wann muss ich mit Nervenschmerzen in der Schulter in die Notaufnahme?

Bei plötzlicher Lähmung oder Taubheit, besonders mit Sprach- oder Sehstörungen, und bei Brustenge oder Atemnot rufen Sie die 112. Nach einem Unfall mit Taubheit oder Schwäche im Arm ist die Notaufnahme zuständig. Rasch zunehmende Schwäche sollte noch am selben Tag ärztlich beurteilt werden, außerhalb der Sprechzeiten über 116117.

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Verfasst und medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Chlodwig Kirchhoff, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnung Spezielle Unfallchirurgie, zertifizierter Schulter- und Ellenbogenchirurg (DVSE) und Spezieller Arthroskopeur (AGA). Praxis im Asam Ärztehaus, Sendlinger Straße 37, 80331 München, gegründet 2024, Mitglied der Bayerischen Landesärztekammer. Stand: 12.10.2026, Leitlinienstand AWMF 030-082 (S2k Zervikale Radikulopathie, Stand 11/2017, Gültigkeit abgelaufen).

Quellen